Ich hatte einmal eine Dienerin. Aber weil mein Haus so klein war, musste eine Dienerin hier sehr schmal sein. Deshalb hatte ich eine Engadinerin.
Gut, sie war jetzt keine Modellschönheit, aber ihre langen Aare glänzten wie ein Gletscher. Wallis so schön war, konnte ich sie nie vergessen.
Eines Tages war sie nämlich verschwunden. Die Polizei sagte, sie sei entführt worden.
“Das Kanton sein”, sagte ich.
Ich fühle mich ganz zermattet. Das trifft mich Davos weh tut.
Weil am Tatort überall Schweißtropfen auf dem Boden waren, meinte die Polizei, der Täter sein ein Schwyzer.
Oh je, dachte ich. Manchmal ist Gotthard. Ich konnte sie doch keinem Gauner überlassen. Aber dummerweise habe ich eine Schweizer-Phobie. Ehrlich!
Wenn ich nur einen Genfer See, krieg’ ich Alpenträume. Schnell rein, schnell raus, plante ich. Immerhin haben die da gute Straßen. Die haben nämlich für Straßen die Mittelland auf und landab verbraten.
Aber gleich zu Beginn der Suche hatte ich Verständigungsschwierigkeiten mit einem Grenzer. Und mein Gegenüber sah mich mit einem Grinsen an, als wollte er sagen: “Ja, da Räter!”. Und ich räto: “Romanisch?” Nun kicherte er de Biel, aber winkte mich durch.
Ich besorgte mir erst mal statt der alten endlich eine Neue Züricher Zeitung. “WoZ” ist das? rief ich aus. “Das ist mir ja eine L’Illustre Gesellschaft!” Bis mir einfiel: In Bern war es ja schon Fasnacht. Das ist immer so. Wenn die in Zürich Sechseläuten, ist’s da schon dunkel. Schnell wieder auf die Autobahn. Ich nahm die nächste Auffahrt (!).
Wahrscheinlich hat sich der Entführer in den Alpen versteckt, dachte ich. Hoffentlich hol’ ich mir dort keinen Zug. Da kann einem nämlich der Innerrhoden abfrieren, wenn man nicht auf Pass t. Ich Max ja Frisch, aber zu frisch eben auch wieder nicht. Und vom vielen Salz auf den Straßen kriegt mein Auto schneller Rösti, als ich gucken kann.
In den Alpen angekommen, traf ich einen Gottesmann, der wollte hoch hinaus. Ich dachte mir: Das darf doch wohl nicht Warstein… Da will dieser Mönch doch glatt die Jungfrau besteigen. Die Arme, wo sie doch schon ein Joch trägt. Na, das kann ja Eiger werden. “Na, meine Liebe…” sagte er zu der Dürrenmatt.
Ich ging dann lieber ins Jura, denn wer Suchet, der findet ja bekanntlich.
Aber: Keine Spur von dem Lumpenhund. Ich schnappte mir einen alten Einheimischen und rief: “Los! dreh’ dich Romandie Wand! Ich sag dir Tessin Guten… Sag mir freiwillig, wo der Entführer ist, oder ich Zwingli. Er Gstad promt, was er wusste: “Ich hob’ ihn do stähn seh’n. Dort, am Vierwald stätt er. See! Und Fondue ischt er gekommen!” und zeigte in die andere Richtung. “Merci vielmals!” bedankte ich mich. Aber insgeheim ich dachte mir: Darauf fall’ ich nicht mehr Rhein! Das ist doch Lug und Trug. War er vielleicht ein Lug-aner. See-’n sie: Manchmal ist Gotthard zu den Seinen… ach, das sagte ich ja schon.
Ehrlich: Mir lief fast St. Gallen über. Dann sah ich, dass er ganz grau im Gesicht war und viele Leute drum herum auch. Sie hatten gleiche Kleidung an. Das musste wohl einer von den legendären Grau-Bünden sein. Da ist es ja kein Wunder, wenn du eine Laus-anne Leber kriegst. So ein verdammter Rheinfall. “Montreux”, fluchte ich. Das ist schweizerisch und heißt auf Deutsch “Mein Gott!”
Naja, bevor ich hier noch mehr Zeit ver Basel, mach ich lieber noch ‘ne Winterthur, damit ich nicht ganz zu den Luzern gehöre.
Jaja, die Schweizer.. . Aber woher sollen sie es denn auch haben. Sie machen in der Schule ja nur Matura-matik. Und richtig deutsches Deutsch können auch nur wenige. Aber beim Frühstück sind sie uns weit überlegen. Die Schweizer haben sogar Technorama. Mich stören allerdings die vielen Insekten, zum Beispiel die Hornussen. Ich be Reuss nicht, in die Schweiz gefahren zu sein. Aber meine Engadinerin habe ich immer noch nicht wieder, obwohl ich jedes Landeck abgesucht habe.
Immerhin habe ich das Land der tiefen Täler lieben gelernt, auch wenn einige immer noch sagen, dort gäbe es hohe Berge.