Manchmal sitze ich vor dem Rechner und überlege tatsächlich, über was ich eigentlich schreiben will. Nicht, dass nach der Lektüre der Nachrichten das Elend der Welt über mich zusammenschlüge, aber momentan könnte man wieder einmal vom vielem Kopfschütteln darüber, was auf diesem Planeten eigentlich vor sich geht, ein Schleudertraume bekommen.
Nehmen wir das Beispiel Libanon, wo die radikale Hisbollah einerseits sich mit sozialer Unterstützung profiliert und andererseits keine Skrupel hat, mit Raketen auf israelische Gemeinden auch Kinder in die Luft zu sprengen (so genau zielen kann man ja schließlich nicht). Und wie bei vielen, dieser ach so religiösen Organisationen (und damit sind beileibe nicht nur islamische gemeint, manche so genannten Christen können das auch) geht es doch nur um die Macht, oft sogar um die persönliche Macht und Bereicherung ihrer Anführer. Zu den Äußerungen des iranischen Präsidenten fällt mir nur ein: Es würde mich stark wundern, wenn Iran im Libanon nicht seine Finger im Spiel hätte. Mit etwas Fantasie könnte man die Hisbollah vielleicht sogar als iranische Erfindung sehen. Dass Ahmadenidschad …, ach, was soll man dazu sagen oder schreiben. Er zeigt genug, wessen Geistes Kind er ist.
Italien wählt tatsächlich Belusconi wieder und Merkel stammelt sich etwas zurecht, von wegen der aktuellen Hungerkrise und dass die Nahrungsmitelpreise gestiegen seien, weil viele Leute sich ja jetzt eine zweite Mahlzeit am Tag leisten könnten usw. Ich kriege das gar nicht mehr so richtig zusammen, stelle aber fest, dass die wirklichen Peinlichkeiten dabei inzwischen eben nicht mehr über die Medien kommen. Habe aber zufällig ihre Originaläußerungen im TV gesehen. Brutto und Netto kann ich da nur sagen. Und an den wahren Ursachen meilenweit vorbei. Dass die Bundesregierung kurze Zeit später eine Mondlandung erwägt, lenkt da geschickt ab.
Die Militärjunta in Birma legt mehr Wert darauf, ihre eigene Macht in einem Verfassungsreferendum zu sichern, als die eigenen Leute vor dem Hungertod zu bewahren. Zum Fall in Amsdetten fällt mir nun wirklich gar nichts mehr ein! Pästidentenwahl in Simbabwe, chinesische Hacker-Angriffe auf indische Server, Tibet, Guantanamo, ein Bahngewerkschaftler wird Bahn-Arbeitsdirektor… Mein Großvater sagte schon: “Die Welt wird immer verrückter.”
Aber tatsächliche wird sie das wohl nicht. Vielmehr war sie anscheinend schon immer so: Ein endloses Hickhack von machtbesessenen Profilneurotikern auf den verschiedensten Ebenen - vom Präsidenten bis zum Haustyrann (oder -Drachen, wir wollen ja niemanden diskriminieren). Währenddessen versucht ein Großteil der Menschheit erst einmal einfach zu überleben und dann ein erträgliches Auskommen zu haben und die Probleme des Alltags zu meistern.
Das erschreckende daran ist nur: Es zeigt sich kein wirklicher Fortschritt. Die ideologischen Gegensätze des Kalten Krieges wurden durch religiöse Gegensätze anderswo ersetzt (eigentlich eher ein Rückfall in die Vormoderne). Fortschritte bei Arbeitsrecht, -sicherheit und -technik hierzulande wurden von schrumpfender Arbeitszufriedenheit aufgefressen. Dummerweise müssen ja die meisten Menschen ja von Arbeit leben. Wir werden überflutet von Informationen und gleichzeitig immer weniger wirklich informiert. Die Reihe ließe sich noch endlos fortsetzen.
Hier eine Auswahl zu treffen… manchmal sitze ich tatsächlich vor dem Rechner und überlege, über was ich eigentlich schreiben will. Nicht, dass nach der Lektüre der Nachrichten das Elend der Welt über mich zusammenschlüge, aber zu manchen Zeiten könnte ich wieder einmal vom vielem Kopfschütteln darüber, was auf diesem Planeten eigentlich vor sich geht, ein Schleudertraume bekommen…


