Da sitze ich gerade am PC, habe meinen alten AKG K240DF Studio-Kopfhörer in die Kiste eingestöpselt und genieße Musik. Das Ganze kommt aus der Röhre, d. h. Youtube und in den Aufnahmen aus allten, mit Elektronenröhren aus Glas bestückten Gitarrenverstärkern. Im Moment ist es gerade Rory Ghallager’s „A million miles away“ in der Aufnahme von der Irish Tour ‘74.
Ich muss zugeben, da war ich noch nicht so in dem Alter… ich habe diese Musik erst so fünf Jahre später entdeckt (das geht mir heute noch manchmal so), aber dann richtig. Eben so ein Leckerbissen: Tattoo d’Lady in der Rockpalast-Version von 1977.
Mein Gott, damals war ich noch jung und hübsch – jetzt bin ich nur noch ‘und’. (Ist man eigentlich alt, wenn der amerikanische Präsident jünger ist, als man selbst?)
Erinnerungen an die damaligen Rockpalast-Sessions kommen auf. Die ganze Clique hat sich bei einem verabredet und erst einmal der Abend mit Pizzabacken und Kaffeekochen gefüllt, um dann zu vorgerückter Stunde mit Kaffeetasse und Schlafsack bewaffnet mit etlichen Leuten in ein enges Jugendzimmer gepfercht den Samstag-Abend-Event zu zelebrieren – ein Erlebnis, und manchmal sogar in Farbe. Momment… jetzt muss ich mal gerade das nächste Stück anklicken….
Wo ich schon mal bei Rockpalast bin: Joan Armatrading „Turn out the light“… Oh Mann…
Übrigens hat auch deren Gitarrist Röhrenverstärker gespielt. Der Sound von den Dinger wurde erst vor wenigen Jahren zum ersten Mal einigermaßen befriedigend durch Halbleiter emuliert – und, wie ich finde, immer noch nicht perfekt. So ist das manchmal mit der Technik, aber die besten Gitarren sind ja auch immer noch aus Holz.
Röhrenverstärker haben auch noch eine andere Qualität: Durch die Röhren werden sie heiß und jeder riecht anders. Meinen alten Vox hätte ich jederzeit unter anderen mit verbundenen Augen identifiziert.
Gut, an den Geruch so manches Proberaumes will ich mich jetzt nicht so unbedingt erinnern…
Youtube ermöglicht mir aber jetzt auch noch, Dinge anzusehen, die vor Jahren unerreichbar gewesen wären. Historische Dokumente wie die Shows von Les Lauĺ und Mary Ford etwa, hier in einem kleinen Wettstreit, bei dem Mary Ford verdammt gut mithalten kann. Sehens- und hörenswert!
Die Gitarren sind übrigens Gibson Les Paul Gold Tops in einer interessanten Ausführung. Das Kabel wird noch auf der Vorderseite eingestöpselt und sie haben noch die für die 50er typische kleine Kopfplatte. Außerdem sind sie ausgestattet mit einer Vibrato-Einheit, die ich jetzt so auswendig nicht ganz identifizieren kann, und so genannten Soapbar-Tonabnehmern. Die sehen halt so aus wie Seifenstücke und wurden später von Humbuckern (brummunterdrückenden Tonabnehmern) abgelöst.
Dazu gäbe es noch viel zu erzählen. Wen es interessiert, der sollte mal in der Röhre unter dem Stichwort ‘history of the electric guitar’ nachstöbern. Ach und nebenbei: Les Paul hat angeblich auch das Overdubbing-Aufnahmeverfahren erfunden, bei dem Audiospuren nacheinander aufgenommen und dann zusammengemischt werden. Im Prinzip wird das heute noch, nur eben mit Computer-Hilfe, praktiziert.
So, jetzt bin ich irgendwie durch Zufall bei Jimi Hendrix gemandet. Denn werde ich mir noch reinziehen und dann den Abend beschließen.