Nur mal so nebenbei: Der einstige DRM-Hardliner Edgar Bronfman Junior möchte am liebsten eine Pauschalabgabe auf Internetzugänge zugunsten der Musikindustrie einrichten. Natürlich nur, damit die Musikindustrie gerettet wird.
Also es tut mir leid, Herr Bronfman, aber ich bezahle schon Kirchensteuer. Im Ernst, sollen jetzt Telekommunikationsanbieter oder gar der Staat dazu genötigt werden für die Misswirtschaft von weltweit operierenden Medien-Konzernen einzustehen und bei den Bürgern/Internet-Nutzern quasi eine Internet-Steuer eintreiben, nur weil die ja Downloads tätigen könnten?
Da entpuppt sich das Wort Kulturflatrate ja gleich doppelt als Mogelpackungsflatrate: Soll ich, der ich tatsächlich - man glaube es oder lasse es eben bleiben - noch nie einen einzigen Musiktitel aus dem Internet geschweige den Film illegal herunter geladen habe, tatsächlich gezwungen werden für die Klone der Musikindustrie oder gar für die Macher von Deutschland sucht den Superstar zu berappen? Und dann wird das ganze auch noch Kultur genannt? Und außerdem werden wohl durch die ‘Kulturflatrate’ kaum der Kino, Konzert, oder Theaterbesuch kostenlos werden, oder? Bei einer ‘Kulturflatrate wäre das doch wohl das Mindeste, meine ich.
Übrigens: Dass ich nicht illegal herunterlade möchte ich nicht mal damit begründen, dass ich ein so moralischer Mensch wäre. Nur: Das, was da angeboten wird, möchte ich zum allergrößten Teil nicht mal geschenkt haben. Und die wenigen legalen Downloads, die ich tätige, tun mir in der geringen Menge wirklich finanziell nicht weh bzw. werden ganz legal kostenlos angeboten. Was auch ein anderes Argument der Industrie entkräftet, nämlich dass sich zurückgehende Tonträger-Umsätze mit Raubkopien erklären ließen.
Und jetzt soll ich auch für den musikalischen (Verzeihung!) Mist, den ich gar nicht haben will, pauschal bezahlen? Wenn ich mich nicht täusche, gab es etwas noch nicht einmal in der DDR! Fehlt bloß noch, dass ich gezwungen werden soll, mir das alles auch noch anzuhören.
Tatsächlich haben übrigens viele neue Künstler und Gruppen die Vermarktung ihrer Musik selbst in die Hand genommen. Und tatsächlich finden sich hier vielleicht die interessantesten Angebote. Nur: An denen verdient nicht die große Industrie.
Und wie sollte denn das Geld aus einer ‘Kulturflatrate’ an die Künstler verteilt werden?
- An jeden, der etwas im Internet anbietet?
- Und nach welchem Schlüssel?
- Einfach pro Stück oder pro Minute Schall, gleich, ob Meisterwerk oder akustischer Müll?
- Oder soll es gar eine (womöglich durch die Musikindustrie gesteuerte) Qualitätskommission geben, die festlegt, welches Musikstück wie viel wert ist?
- Oder sollen Downloads gezählt werden und wenn ja, wie (ohne Manipulationsmöglichkeit)?
- Würden dann Einzelkünstler, die sich nicht an die Musikindustrie binden, über die Kosten für die Technik wieder ausbebootet?
- Und was ist, wenn vielleicht dann (aufgrund mangelnder Qualität des Produkts) trotzdem die Zahlen sinken? Werden dann die Kosten für die ‘Kulturflatrate’ womöglich freiwillig gesenkt?
- Wie sieht es eigentlich mit Straßenkünstlern aus, die womöglich mit Handys gefilmt oder fotografiert werden?
- Was ist, wenn ich gefilmt werde, wie ich beim Grillen am Lagerfeuer Coverversionen auf dem Rupf-Cello zum Besten gebe? Bekomme ich dann etwas ab? Oder muss ich mich erst mal als Bearbeiter bei der GEMA anmelden?
- Fragen über Fragen…
Es gibt kein Grundrecht auf Profit, auch nicht in der Marktwirtschaft. Es besteht immer das Risiko, dass Unternehmen und auch ganze Branchen verschwinden. Das hängt im wesentlichen auch von der vorhandenen oder nicht vorhandenen Kreativität ihrer Mitglieder ab. Sollte tatsächlich der Untergang der Musikindustrie bevorstehen? Ich kann es mir nicht vorstellen. Ein Strukturwandel, vielleicht. Und wenn…?
Die Musik und die Kunst werden nicht verschwinden. Vielleicht werden die (gemachten) Superstars ja weniger. Die Musik scheint mir eher da interessanter zu werden, wo die Künstler tatsächlich selbst über ihre Kunst bestimmen können, sie sich von Unternehmensinteressen emanzipieren können. Dank Internet werden wir davon erfahren.
Ja, Musiker und andere Künstler müssen ihren Lohn bekommen und deshalb zahle ich dafür, wenn ihre Werke mir gefallen - und das sogar gerne. Das ist immens wichtig, damit sie uns auch weiterhin mit ihrer Kunst beglücken (können). Auf die Marketing-Experten der großen Labels, die Internet-Nutzer jahrelang und unberechtigt pauschal als Quasi-Kriminelle nach meinem Empfinden fast schon verleumdet haben, kann ich dagegen als Kunde gut verzichten.