Hat die Welt auf diesen Browser gewartet? Zugegeben, ich habe ihn selbst nicht installiert. Warum auch?
Ich packe mir nicht gleich alles auf die Festplatte, was neu und hip ist. Erst mal anschauen. Und was sich da bei Chrome sehe, verlockt mit nicht gerade.
Die Datensicherheit bei Chrome scheint ja nicht nur durch die absichtlich eingebauten Features gefährdet zu sein. Offensichtlich wird, wie bei stern.de heute zu lesen ist, eine veraltete Version von ‘Webkit’ benutzt, die noch eine gravierende Sicherheitslücke im Programmcode aufweist, die in neueren Versionen längst geschlossen wurde. Sie ermöglicht das Ausführen von Schadcode. Ein gravierender Fehler gleich beim Start der Vermarktung – unschön.
Und mal ehrlich: Sicherlich kann man die Übertragung der Identifikationsnummern abschalten, aber die ‘Datenkrake’ zielt doch darauf, dass viele Nutzer es nicht tun werden – schon weil dann irgendwann besondere Google-Services vermutlich nicht funktionieren werden. So produziert Google nicht nur den gläseren User, es wird auch noch sein Innerstes nach Außen gekehrt und er soll darauf vertrauen, dass die Firma nichts Böses tut.
Der Nutzer wird mit allem was er will versorgt – die totale Bequemlichkeit. Er hört, sieht und liest, was er gern hat, anderes erfährt er nicht. Wer sich das antut, lebt dann gewissermaßen in einer Blase, die ihn von großen Teilen der Realität abschirmt. Sicherlich ist das sowieso ein großes Problem der Mediengesellschaft. Aber, ich gebe es zu, so langsam wird mir mulmig: Denn längst beeinflusst Google auch sogar die Nachrichten (unbedingt ansehen), ist der Konzern zum weltweiten und weltgrößten Informationsimperium geworden. Was nützt uns die Freiheit, aus tausenden von TV-Sendungen, Zeitungen usw. auszuwählen, wenn die entscheidende Auswahl – was diese Medien verbreiten – im Vorfeld längst durch das Benutzen einer bestimmten Suchmaschine getroffen wurde, die eben manche Internetseiten ganz vorne und manche eben erst an siebenunddreißigtausendneunhunderzweiundfünfzigster Stelle listet.
Sicher, auch dieser Effekt ist nicht ganz neu und tritt sogar auf, wenn man eine Bibliothek besucht. Denn natürlich wird bei der Recherche auch hier bevorzugt auf bestimmte Standardwerke usw. zurückgegriffen, einen Mainstream sozusagen. Und manche anderen Werke fallen vielleicht auch beim Durchgehen durch die Regale eher ins Auge als andere. Aber es bleibt Zeit, zu reagieren.
In den Redaktionen vieler Nachrichten-Medien sieht es längst anders aus: Durch den Zwang zur Effizienzsteigerung bleibt längst keine Zeit mehr für alternative und gründliche Informationsbeschaffung. Schnell mal googeln und raus damit. (Die Aussage über die Faulheit der Journalisten in der o.g. Quelle teile ich daher nicht.) Vielfalt der Medien? Im Grunde melden dann alles dasselbe: Das, was bei Google unter den ersten 20 Treffern zu finden ist.
Das Resultat ist ein informationeller Tunnelblick durch die Google-Röhre. Informationen aber beeinflussen politische Entscheidungen (auch unsere persönlichen).
Und genau hier wird es gefährlich!

