Vorweg: Ich bin kein Computer- und kein Linux-Experte. Das hier Berichtete bezieht sich nur auf meine persönlichen Erfahrungen auf meinen (schon etwas betagten) Rechnern, hier einem IBM Thinkpad X31mit 512 MB RAM und 30 GB Festplatte. Möglicherweise können ihm sogar Netbooks etwas vormachen (aber er hat einfach eine Tastatur, die man nur mit dem Wort „Genuss“ beschreiben kann, ehrlich!).
Also: Was hier steht ist nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss, Irrtümer sind nicht ausgeschlossen.
Die ‘Leidensgeschichte’
Neulich erst versuchte ich noch einmal Kubuntu 9.04 zu installieren, d.h. Ich habe es installiert und wieder die gleichen Schwierigkeiten wie beim letzten Mal festgestellt: Das System reagiert grafisch sehr zäh, beim Schreiben mit deutlichen Verzögerungen, die das tippen zur Qual machten usw. Und ich hatte keine Lust, noch weiter herumzuschrauben (in Systemdateien herumzuwerkeln).
Als ich wieder zurück bei 8.10 mit KDE 4.1 war nervten mich dann so einige Schwierigkeiten mit der Plasma-Oberfläche und den Plasmoiden. Ist ja schönes Spielzeug, das gebe ich zu. Aber vielleicht, weil mein betagter X31 nicht der leistungsfähigste ist oder vielleicht auch, weil es noch ein paar Hakeligkeiten im System gibt, musste ich erstens auf das Spielzeug verzichten und hab es zweitens hingekriegt, dass der Mauszeiger öfter mal aus einem 2 mal 2 cm großen Quadrat in Systemfarben (gestreift) besteht. Ja, sicher, auch damit kann man klicken und sogar treffen, aber Spass macht’s nicht.
Ich weiß schon gar nicht mehr, was mich sonst noch so nervte, aber ich beschloss, wieder zu KDE 3.5 (wie auf meinem Lenny-System) und das bedeutete Kubuntu-mäßig zu 8.04 zurückzukehren.
Beim Installieren eines Vodafone-Surfsticks traten dann aber doch ernste Probleme auf. Ein Tipp aus dem Internet ließ sich nicht verwirklichen, bzw. ich fand den angegebenen Networkmanager nicht in der exakten Version und installierte statt dessen einen anderen obwohl ja schon ein laufender da war mit dem Erfolg, dass hinterher das auch kein WLAN mehr wollte – ganz zu schweigen vom Surfstick.
Irgendwie haben auch meine Reparaturversuche nicht viel gebracht und – das ist jetzt eigentlich schon wieder ein Kompliment für Linux – es erschien mir schneller, ein neues Betriebssystem auf die Platte zu zaubern, als lange im Internet nach Lösungen zu suchen. (Außer dem System war ja noch nichts drauf.)
Tja, nun gut. Aber welches?
Zwischen den Datenträgern, die die verschiedenen Linux-Zeitschriften so mit sich bringen, fand sich bei näherem Hinsehen auch Linux Mint, genauer gesagt: Linux Mint 7 „Gloria“ KDE. Diese ist gemeint, wenn im Folgenden von ‘Linux Mint’ die Rede ist.
Noch rätselnd, was das denn nun eigentlich sei warf ich die Scheibe ins Laufwerk.
Nach der Installation stellte ich fest, dass es auf genau dem von mir verschähten Kubuntu 9.04 basiert. (^^) (Ich hätte ja auch vorher kurz mal in Wikipedia den Linux-Mint-Artikel lesen können,aber…) Schau’n wir mal.
Jetzt bin ich wirklich gespannt!
Beim Eintippen dieses Artikels direkt auf der Webseite, stellte ich leider auch ganz schnell wieder die alte Zähigkeit fest, so dass ich jetzt offline schreibe und hinterher mit Copy&Paste den Text ins Web hexe.
Des Tests willen schreibe ich tatsächlich mit OpenOffice und muss sagen: Es läuft flüssig. prima. Schöne viele Schriften sind hier übrigens auch dabei.
Ansonsten präsentiert sich das Pfefferminz-Linux recht frischen Optik. Symbole und Buttons sind gut zu sehen und gut ablesbar, was nicht immer selbstverständlich zu sein scheint. (Nun ja, die Design-Geschmäcker gehen halt verschieden, aber bei Linux kriegt ja jeder geholfen. Hier ist jedenfalls alles im Lot.)
Bei dem bisschen Geschreibsel, das ich bis hierher gemacht habe, einem Patch-Update und ein wenig Herumgeklicke fühlte sich das System – wahrscheinlich aufgrund des geringen Arbeitsspeichers, etwas, aber wirklich nur ein klein wenig träge an. Habe ich nicht mal irgendwo gelesen, dass Linux Mint 1GB RAM voraussetzt?
Die Prioritäten bei der Auslastung scheinen aber genau richtig zu liegen. Schreiben usw. geht flüssig und ohne Verzögerung. Der Wechsel zwischen den Arbeitsflächen flutscht. Manche Aufklapp-Menüs brauchen halt mal ‘ne Sekunde
Wenn sich Linux Mint für mich als ansonsten gut herausstellen sollte, spendier’ ich meinem Rechen-Opa vielleicht noch ein bisschen Speicher (und hoffe, dass er noch ‘ne Weile hält).
Das Plasmoid „Ordner Ansicht“ habe ich aber zu Beginn vorsichtshalber geschlossen. Ebenso habe ich den ‘kleinen’ X31 nicht mit Desktop-Effekten belastet. Probleme mit dem Mauszeiger wie oben beschrieben hatte ich aber nie.
Päckchen-Pinguin:
Die Programmpakete für Linux Mint kommen von http://packages.linuxmit.com, außerdem von verschiedenen Ubuntu-Repositories, von medibuntu.org, canonical.com sowie von ppa.launchpad.net. Eine angenehme Folge dieser Vielfalt ist, dass viele Medien-Codecs, die man sonst so nach und nach einsammelt, hier gleich von Beginn an vorzuliegen scheinen (alles habe noch nicht getestet).
Installieren kann man weitere Pakete mit dem Tool mintInstall, das sie in übersichtlichen Kategorien präsentiert – übrigens in Deutsch beschriftet, wie so vieles andere. Updates spielt man, wie sollte es auch anders sein, mit mintUpdate, dass sie nach unterschiedlichen Sicherheits-Levels gestaffelt anzeigt. Wählt man eine Aktualisierung aus, ist es möglich, außer der Beschreibung des Pakets auch ein Änderungsprotokoll, ggf. Warnungen und andere Informationen. Die Bedienung ist bei beiden Programmen ein Kinderspiel!!!
MintInstall und mindUpdate basieren offenbar auf dem altbewährten apt, so dass auch Konsolen-Freunde bedient werden. Es wäre auch ein Wunder, wenn nicht. Synaptic ist übrigens auch schon drin.
Ausstattung:
Die in der Standard-Installation enthaltene Software ist umfangreich. Neben OpenOffice in Version 3.01 sind das Vektorgrafikprogramm Karbon14, die Bildbearbeitung GIMP oder auch das DTP-Programm Scribus enthalten. Was an Möglichkeiten zum Chatten, Instant-Messenging enthalten sind, ist mir jetzt zu viel für diesen Artikel. Kurz gesagt: Das System ist wirklich gut ausgestattet.
Interessant ist sicherlich, dass, obwohl diese Community-Version von Linux Mint auf KDE setzt, auch GNOME-Anwendungen wie etwa der M-Player enthalten sind, den es ja auch in einer auf KDE angepassten Version gibt. Möglicherweise sind Sicherheit- oder Stabilitätserwägungen der Grund für diese Wahl. Beides wird bei Linux Mint offenbar groß geschrieben.
Sicherheit:
Im Gegensatz zu (K)Ubuntu liefert Linux Mint eine Firewall nebst grafischem Konfigurations-Tool mit. Das Ganze heißt Guarddog. Ich habe es noch nicht ausprobiert, es macht aber den Eindruck, als ließe sich nach kurzer Einarbeitung damit klar kommen.
Ubuntu verfolgt in diesem Punkt ja eine andere Philosophie, so weit ich weiß. Warum sollte man in eine stabile Festung noch eine zusätzliche, mit schweren Schlössern gesicherte Tür einbauen? (Letzteres wäre dann die Firewall.) Würde dieses die Festung nicht letztendlich schächen?
Ich überlasse es anderen Menschen, darüber zu urteilen.
Eltern dürfte wahrscheinlich die mintNanny entgegenkommen, ein einfaches Tool, dass es ermöglicht, definierte Domains zu sperren. Ich frage mich allerdings, ob ein umgekehrter Ansatz, nämlich nur bestimmte, sichere Domains zuzulassen nicht vielleicht effektiver wäre.
Das einfach zu bedienende mintBackup dient der Sicherung des /home-Directories, nichts sonst. Interessant wäre es jetzt, ob hier inkrementelle Backups erstellt werden, oder schlich und einfach nur Kopien des Heimatverzeichnisses. Immerhin macht es die Anwesenheit dieses Programms auch für ungeübte einfacher, Daten zu sichern, einfach schon deshalb, weil es da ist.
Mittlerweile konnte ich feststellen, dass ich meiner X31-Denkmatte wohl tatsächlich noch etwas Speicher spendieren muss. Zwar arbeitet es sich mit Linux Mint auch mit den mageren 512 MB RAM recht flott. Wenn ich jedoch mehrere Programme oder Dokumente öffne, treten merkliche und störende Verzögerungen auf. Nun ja, ein paar Tage werde ich noch damit leben müssen.
So ziemlich fest steht für mich allerdings, dass Linux Mint erst mal auf der Platte bleibt. Der Vodafone-Surfstick wurde mit Hilfe von Wolffs Blogg inzwischen auch erkannt. Verbindung zum Netz gab es allerdings noch nicht. Allerdings ist auch der Mobilfunkempfang bei mir zu Hause sehr schlecht. Vielleicht liegt es daran, oder ich habe im Zusammenspiel von Vodafone-Treiber und Netzwerkmanager noch Bedienfehler gemacht.
Einen anderen Fehler fand ich aber auch noch. Es ist mir nicht gelungen, das K-Menü vom klassischen Menüstil wieder auf den Kicker-Modus zurückzuschalten. Statt dessen wanderte der LM-(K-)Button etwas nach rechts. Mal schau’n, ob ich das wieder hinkriege…
Fazit:
Linux Mint macht Spaß, mir jedenfalls. Der Pfefferminz-Pinguin darf (vorerst) bleiben. Bei alten Gitarren bedeutet ‘mint condition’ übrigens so viel wie ‘Bestzustand’. Der kleine Fehler mit dem Menü-Button tut da keinen Abbruch.
Das System fühlt sich einfach gut an! Wenn mehr Speicher da ist, werde ich mit den Plasmoiden spielen.
Nachtrag am 05.10.09:
So geht das: Das Herumspielen mit Plasmoiden konnte ich mir ja doch nicht so ganz verkneifen. Naja, und so dieses uns jenes wurde mal ausprobiert, mintInstall und auch mal wieder Synaptic… und der Rechner schien irgendwie immer langsamer zu werden. Und dann: Zuerst brach, ich glaube Akregator zusammen und dann, patsch, …Bildschirm dunkel!
KDE war komplett abgestürzt. Ich will mich ja mal nicht beklagen, denn mit meiner mageren RAM-Ausstattung und der Herumprobiererei habe ich das System natürlich wirklich gestresst.
Ich erinnerte mich an den Tipp von fantarainer, der mir schon bei Kubuntu 9.04 riet, die xorg.conf zu editieren und in der Section Device „Option“ „AccelMethod“ „XAA“ einzutragen. Dieses Mal habe ich in der xorg.conf auch etwas gefunden und den entsprechenden Eintrag vorgenommen und ich muss sagen: Es klappt. Der Rechner läuft, jetzt viel flüssiger. Etwas mehr Speicher bekommt er aber trotzdem so bald wie möglich.
Vielen Dank nochmal an fantarainer für den Tipp!
Nachtrag am 07.10.09:
Jetzt flutscht’s!!! Seit ein paar Tagen arbeite ich nun mit Linux Mint. Alles läuft (nur den Surfstick habe ich immer noch nicht getestet, weil ich ihn noch nicht brauchte). Mittlerweile hinterlässt das System bei mir einen stabilen und bequem zu bedienenden Eindruck. Nichts erinnert mehr an den KDE-Absturz vom ersten Tag.
So soll es sein!