Das Leben usw.

Die Unsicherheit aller Daten

August 17, 2008 · 1 Kommentar

Noch vor einem Jahrzehn, mindestesn aber vor zweien wäre alles noch anders gewesen. Damals hätte jemand, der sich ein einigermaßen vollständiges Bild von den Lebens- und Konsumgewohnheiten, Familienstruktur und der finanziellen Situation eine beliebigen Bürgers dieses Landes machen wollte, einen riesigen Aufwand an Zeit und Manpower, ganz zu schweigen von detektivischem Geschick aufbringen müssen, um auch nur einen einzigen Datensatz zusammen zu stellen.

Vieles war, wenn überhaupt, an unterschiedlichen Stellen, Behörden, Unternehmen vorhanden, Querverbindungen schwierig, Querverweise selten. Der sich nun massiv ausweitenden jüngste Datenschutz-Skandal wäre in dieser Form wahrscheinlich nicht aufgetreten. Zunächst war die Rede von 17000 Datensätzen von Teilnehmern einer bekannten Lotterie. Jetzt könnte es sich laut Medienberichten um 1,5 Millionen Betroffene handeln. Und noch mehr kommt hinzu. Auch Daten von Mobilfunkanbietern und sogar einer als gemeinnützig anerkannten Spendenorganisation sollen auf dem Markt aufgetaucht sein.
Dies alles zeigt, dass es offenbar mit dem Datenschutz hierzulande nicht zum Besten steht. Wird er immer noch nicht ernst genug genommen? Die grassierende Rabattkartenmentalität und das allgegenwärtige ‘Ich habe doch nichts zu verbergen’ deuten darauf hin. Doch im Falle des Missbrauchs von Bankdaten stehen Existenzen auf dem Spiel – auch für die, die nichts zu verbergen haben.
Ich bin ganz und gar ein Gegener von den allgegenwärtigen ‘Die-Gefahr-nimmt-ständig-zu-’Meldungen. Hier nimmt sie allerdings wirklich zu. Und auch die staatlichen Organe tragen ihren Teil dazu bei: Eine immer größere Erhebung von personenbezogenen Daten, eine immer weitere Vernetzung von personenbezogenen Datensätzen und auch Konzentration an wenigen Orten und die gleichzeitig steigende Mobilität von auch sensibelsten personenbezogenen Daten (z. B. über internetgestützte Verarbeitungsverfahren oder die überall notwendigen Plastikkarten), machen uns Bürger nicht nur durchsichtig, sondern auch zum Spielball und zur Milchkuh für Missbrauch.

Noch vor wenigen Monaten schüttelten wir den Kopf über die nicht abreißen wollenden Nachrichten über britische Skandale. Was ist seit dem hier passiert? Die geplante Online-Durchsuchung, die geplante lückenlose Überwachung von Wohnräumen, die Vorratsdatenspeicherung – Erhebung von sensibelsten persönlichen Daten und über die Kontrolle über die Verfahren wird tatsächlich gestritten. Der Telekomskandal (ein Skandal eigentlich, dass er nicht noch immer in aller Munde ist) – er zeigt uns was selbst Unternehmen oder Privatleute in Sachen Datenmissbrauch können. Der neuste Fall – ein Fanal, welches uns zeigt, dass das, was möglich ist, auch genutzt wird.
Und wenn man bedenkt, was allein im Bereicht der öffentlichen Verwaltung und Regierung so an Datenträgern und Elektronik abhanden kommt… Die von der Bundesregierung eingeräumte Bilanz für 2005 bis 2007:

Zwar soll bisher kein Fall bekannt sein, in dem vertrauliche Informationen dadurch zugänglich geworden und missbraucht worden seien. Das ist aber keine Garantie, dass das in Zukunft so bleibt.
Ich hasse den Spruch eigentlich, aber im Bereich der perönlichen Daten ist er wahrscheinlich der beste Rat, dem man folgen kann:

(Daten-)Geiz ist geil!

Kategorien: D-land · Datenschutz · Gesellschaft

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