Das Leben usw.

Unruhige Erde

Juli 22, 2008 · Kommentar schreiben

Seit Mitte Mai arbeitet der Vulkan Ätna auf Sizilien wieder, d. h. er stößt Lava und Gase aus. Kein Grund jedoch zur Panik. Irgendwie hat das der Vulkan ja immer wieder in den letzten Jahrzehnten gemacht. Im Gegensatz zu anderen ist er nicht erloschen und er schläft auch nicht.
Der zur Zeit gefährlichste Vulkan dürfte der Vesuv bei Neapel sein. Nicht nur, dass er im Laufe der Geschichte sich immer als sehr explosiv erwiesen hat, heute leben auch mehrere Millionen Menschen im Gefahrengebiet. Dabei ist nicht die Frage, ob der Vesuv wieder ausbricht, sondern nur wann. Im Gegensatz zum Ätna, der eigentlich dauernd seinen Druck abbaut (stombolianische Aktivität),wurden beim Vesuv immer wieder lange Zeiten der Ruhe durch die berühmten plinianischen Eruptionen abgelöst. Dabei kann kubikkilometerweise Material ausgestoßen werden, dass über einem großen Gebiet, die Sonne verdunkelt und ganze Städte verschütten kann, wie das antike Beispiel von Herculaneum und Pompeji beweist. Mittlerweile leben viele Menschen längst näher am Krater als damals.
Zu solchen plinianischen Eruptionen neigte nach allem, was man weiß auch der Vulkan, der den Laacher See in der Vulkaneifel erschuf. Die Gewalt von der Größe einiger Hundert Hiroshima-Bomben brach sich vor etwa 13000 Jahren hier Bahn. Erdgeschichtlich gesehen ist das nur einige Augenblicke her. Und die Eifel ist immer noch aktiv. Und Wissenschaftler halten eine Überwachung vonnöten. Erste Daten zeigen Anomalien in der Zusammensetzung von auströmenden Gasen, doch Grund zur Panik besteht nicht, auch wenn sich die Eifel seit langem um etwa 1 bis 2 Millimeter pro Jahr hebt.
Die Erde ist unruhiger, als man denkt. Die großen Erdkrustenplatten bewegen sich im Durchschnitt zwar nur mit der Geschwindigkeit, mit der Fingernägel wachsen. Europa und Nordamerika bewegen sich beispielsweise mit etwa 18 Millimetern pro Jahr von einander weg. An einigen stellen im Südpazifik ‘rasen’ einige Platten auch mit ca. 15 Zentimetern pro Jahr auseinander. Dazwischen strömt Lava aus dem Erdinneren an die Oberfläche und bildet neuen Ozeanboden.
In der Tat ist der gesamte Ozeanboden anscheinend jüngeren Datums, nur so etwa 200 Millionen Jahre alt. Die ältesten Gesteine, die auf den Kontinenten gefunden wurden, sind dagegen schon mehrere Milliarden Jahre alt. Es sieht also so aus, als ob (in extremer Zeitlupe sozusagen) die leichteren Kontinententalplatten auf dem schwererem Material der ozeanischen Kruste und dem Erdmantel schwimmen, wie Schaum auf einer kochenden Suppe.
Und auch diese Platten sind nicht homogen, sondern bestehen meist aus verschiedenen Einzelteilen, zwischen denen Bruchzonen usw. verlaufen. Europa, so dachte man, sei aber inzwischen so verdichtet, dass sich zwischen diesen Einzelteilen nicht mehr viel tue. Möglicherweise stimmt das nur für den Moment. Denn wer sich klar macht, welche Kraft das ist, die ganze Kontinente verschieben kann, muss auch davon ausgehen, dass hier und da etwas bröselt (in extremer Zeitlupe natürlich) und sich doch noch etwas bewegt. Für die Eifel bedeutet das, dass die These einiger Wissenschaftler, es handele sich beim Eifelvulkanismus um das Resultat eines Hot Spots (hat hier nichts mit Wlan zu tun) womöglich doch nicht so stimmig ist.
Vielleicht wird es also auch hierzulande noch spannend. Doch, ehrlich gesagt, ist die Chance gering, dass in den über Tausende von Jahren ablaufenden Prozessen ausgerechnet unsere Generation die ist, die einen Ausbruch des Vulkanismus in der Eifel erleben wird. Ob es unmöglich ist, ist eine andere Frage.

Kategorien: Europa · Geologie · Wissenschaft

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