Das Leben usw.

Der Armutsbericht

Mai 18, 2008 · 2 Kommentare

Man kann ihn als einen Bericht über den Erfolg der deutschen Sozialpolitik sehen – oder vieleicht eher: den Misserfolg!

Das erklärt, weshalb anscheinend über den genauen Wortlaut des Berichts zwischen Arbeitsministerium und Kanzleramt noch im April verhandelt wurde, so zumindest ein Artikel der RP-Online vom 19.4.2008, der sich auf den Spiegel bezieht.

Die Bilanz fällt, gelinde gesagt, ernüchternd aus. Nach allen Debatten um Hartz IV, Mindestlöhne, Kindergeld und vielem mehr, ist „…jeder vierte Deutsche arm oder er muss durch staatliche Leistungen vor Armut bewahrt werden.“
Dramatisch dabei, dass offenbar immer mehr Menschen auch trotz Arbeit Gefahr laufen, in die Arbeit abzurutschen. tagesschau.de überschreibt den Artikel denn auch mit „Die Kluft zwischen Arm und Reich wird tiefer“. Arm und Reich sind dabei keine schwammigen Kategorien, sondern durch harte Zahlen definiert:

„Als reich gelte, wer als Alleinlebender im Monat netto mehr als 3418 Euro zur Verfügung habe oder als Familie mit zwei Kindern mehr als 7178 Euro netto im Monat. ‘Arm ist, so definiert es die EU, wer als Alleinlebender weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient, also 781 Euro netto’, sagte Scholz.“

Dass über die geschilderte Lage hinaus 73% der Deutschen Angst vor Altersarmut haben, entspricht also beileibe keinem gefühlten Trend. Die Gefahr ist vielfach real. Denn auch wenn momentan nur etwa 2,3 Prozent der älteren Menschen auf staatliche Hilfen angewiesen sind, ist die befürchtete zukünftige Altersarmut der Befragten schließlich in ihrer heutigen sozialen Situation angelegt. (Das Einkommen wird sich ja nicht plötzlich nicht mit dem Eintritt ins Rentenalter verbessern.)

Dabei liegt die Zunahme von Armut ganz offensichtlich nicht an einer etwaigen allgemeinen wirtschaftlich schlechten Lage. So haben in den vergangenen Jahren viele Unternehmen, wie zum Beispiel VW, sogar Rekordgewinne eingefahren. Und für die in Deutschland so wichtige Metallindustrie wurde sogar der größte Jobboom seit Jahrzehnten gemeldet.

Doch entgegen allen Beteuerungen der Politik ist der Aufschwung offenbar vielfach bei denen nicht angekommen, die ihn am dringendsten brauchen.

Aktualisierung vom 19.05.2008:

Wie ich heute erfahre, beziehen sich viele Angaben des Armutsberichts auf Daten des Zeitraums 2002 bis 2005, so dass die beiden Boomjahre 2006 und 2007 wohl zumindest zum Teil unberücksichtigt blieben. An der Kernaussage dieses Posts dürfte sich allerdings trotzdem wenig zu ändern haben, denn:

„Seit 2006 wächst die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zwar wieder, liegt aber mit 26,85 Millionen (Juni 2007) immer noch unter dem Niveau von 1998.“

Dass in nicht wenigen Fällen die Einkommensentwicklung, hinter der Inflationsrate zurückblieb, dürfte ebenfalls nicht gerade zu einer entscheidenden Verbesserung der Situation beigetragen haben.

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