Das Leben usw.

Nur mal so nebenbei: Im Wein liegt nicht immer nur Wahrheit

März 27, 2008 · 1 Comment

Pestizide, darunter auch krebserregende und erbgutverändernde Mittel, in einem Spätburgunder aus Baden sogar 10 verschiedene, das ist schon ein Hammer. Und es zeigt, dass auch nach mehr als 20 Jahren Ökologie- und Bio-Bewegung Kontrolle immer noch besser ist als Vertrauen. Immer noch gibt es anscheinend Lebens- und Genussmittelproduzenten, die ihren Ertrag um jeden Preis steigern wollen, oder möglicherweise auch schlicht mit dem Einsatz unter richtigen Dosierung von Pflanzenschutzmitteln nicht klar kommen.

Die unbelasteten Weine in der Untersuchung eines Aktionsbündnisses aus Umweltschutzgruppierungen verschiedener europäischer Länder waren ausnahmslos Bio-Weine. Der Umkehrschluss gilt leider nicht. Auch ein Bio-Wein war belastet. Nach meinen eigenen Beobachtungen in der heimischen Landwirtschaft wundert mich das nicht. Ökologisch bewirtschaftete neben konventionell - also auch mit chemischer Keule bewirtschafteten - Feldern… Da ist eben keine Wand dazwischen. Das gilt auch für die geltenden Regelungen für gentechnisch veränderte Pflanzen. Ein paar hundert Meter sollen Ökofelder vor dem Eintrag von Gentech-Pollen schützen, wo doch der Wind Staub aus der Sahara bis zu uns und gar bis nach Südkamerika trägt? Lächerlich! Und vor Jahren schon wurde festgestellt, dass veränderte Gene aus Raps auch auf Darmbakterien von Bienen übergingen.

Aber wie das Beispiel Wein zeigt, sind auch viel konventionellere Gefahren immer noch nicht im Griff. Manche Chemikalien können von den verantwortlichen staatlichen Labors in Routineuntersuchungen nicht einmal festgestellt werden. Freie Bahn für Chemie-Panscher also.
Knapp 150.000 Chemische Stoffe sind in der EU zugelassen. Wer will das überwachen.
Gut also, dass es auch nicht-staatliche Organisationen gibt, die in diese Bresche springen. Manchmal tun sie das sicherlich auch, um sich bekannt und etwas wichtiger zu machen, um die eigene Organisation und den eigenen Einfluss zu stärken. Trotzdem: Ich bin froh, dass es sie gibt.

Noch mehr würde ich begrüßen, wenn nicht immer alles als harmlos gilt, bis man die Schäden feststellt, sondern umgekehrt. Ich bin gespannt, wann die ersten Klagen gegen Autopolitur mit Nanopartikeln usw. kommen. Der Lack glänzt zwar länger, aber diese Partikel nutzen sich ab, Wo bleiben sie? Es wäre blauäugig zu denken, dass wir sie nicht auch einatmen. Langzeitwirkung? Niemand weiß es, niemand kann es überhaupt wissen. Wohlstand besteht eben nicht nur aus materiellen Gütern, er besteht auch aus Gesundheit, einer gesunden Umwelt.
Ich will nicht nur meckern. Es gibt auch jede Menge postiver Entwicklungen, gerade auch im Umweltschutz, der ja vor allem auch Menschenschutz sein sollte. Dass im Rhein wieder die ersten Lachse schwimmen finde ich wunderbar. Das Ozonloch wird in einigen Jahren kein Thema mehr sein, dank des weltweiten FCKW-Herstellungsstopps. (Die Hautkrebsgefahr für mich ist dennoch hoch: Man wusste früher eben nicht, dass Sonnenbrand Spätfolgen haben kann.) Das Beispiel FCKW und Ozonloch zeigt auch, dass wir Menschen wirklich etwas zum Besseren bewegen können, wenn wir es entschlossen und solidarisch anpacken.
Also nur den Kopf nicht hängen lassen. Außerdem gibt es ja auch immer mehr und auch preiswerte Bioprodukte.
Trotzdem: Augen auf!

Categories: D-land · Nur mal so nebenbei · Umwelt · Wissenschaft

1 response so far ↓

  • zeitcollector // März 27, 2008 at 9:02

    Die Natur hat das Wesen ‘Mensch’ anscheinend mit integriertem Selbstzerstörungsmechanismus geschaffen. Ob er aktiviert wird, haben wir in der Hand - aber wie man auch an dem o.g. Beispiel sieht, sind wir da auf einem ‘erfolgreichen’ Weg!

Leave a Comment