Das Leben usw.

Sind Daten ersteinmal vorhanden, werden sie auch missbraucht

Januar 9, 2008 · 1 Kommentar

Laut Medienberichen missbrauchen 75% der deutschen Unternehmen vertrauliche Kundendaten, wie u. a. auch Bankinformationen, systematisch zum Testen von neuer Software oder Anwendungstest. Besonders problematisch dabei ist offenbar, dass solche Tests von immer mehr Unternehmen (z. Zt. ca 60%) ausgelagert werden – und die vertraulichen Daten gleich mit. Durch diese Praxis verwischen Verantwortlichekeiten. Wer dan für welche Schutzmaßnahmen zuständig ist, wird immer unklarer. Das Risiko, dass persönliche Daten in die falschen Hände geraten steigt so natürlich. Laufen verschiedene Datensätze auf diese Weise irgendwo zusammen, ist der Kunde schnell gäsern.

Die Sorglosigkeit vieler Kunden im Umgang mit ihren vertraulichen Daten, etwa bei der Nutzung von Rabattsystemen wird vermutlich auch eine Rolle dabei spielen. Welcher Kunde kann schon sagen, wem er welche Daten gegeben hat und zu welchen Bedingungen. So wird ein Missbrauchsnachweis im Falle eines Falles schwierig. Telefonwerber verlassen sich schon darauf: “Sie haben doch bei einem Preisausschreiben mitgemacht…”
Doch will ich keinem Unternehmen, von den besagten illegalen Telefonwerbern einmal abgesehen, hier unlautere Absichten unterstellen. Die mangelnde Sorgfalt im Umgang mit Daten triftt auch die Unternehmen selbst in Form von Industriespionage, die einen jährlichen Schaden von 2,8 Milliarden Euro in Deutschland verursachen soll. Man rechne sich aus, wie viele Arbeitsplätze und Dividenden das kostet.

Das weiter oben genannte Beispiel zeigt umso mehr: Sind Daten ersteinmal vorhanden, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch missbraucht. Und zahlreiche Beispiele aus Großbritannien zeigen, dass auch staatliche Stellen oft nicht in der Lage sind, für die Sicherheit von sensiblen persönlichen Daten garantieren zu können. Naiv, wer da glaubt, die Briten seien doof und so etwas könne bei uns nicht passieren. Vor diesem Hintergrund sollten die aktuellen Bestrebungen zur Erhebung und Zentralisierung von sensiblen Daten in Deutschland immer gesehen werden. Der einzelne Bürger wird so immer mehr manipulierbar, ohne dass er es merkt. Und das kann – da es große Massen von Bürgern betreffen kann – sich zu einer Gefahr für die Demokratie auswachsen.

Kategorien: Datenschutz · Demokratie · Gesellschaft · Wirtschaft

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