Kurze Antwort: Laut einer zweijährigen Studie der CNW-Marketing-Research inc (1). (pdf) ist es der Hummer H3. Voraus schicken möchte ich, dass die Coastal-Northwest-Marketing-Research Inc. ein privates Marktforschungsinstitut ist, dessen tatsächliche Unabhängigkeit ich leider nicht vollständig überprüfen konnte.
Dieser Beitrag ist trotzdem etwas lang geraten. Wer sich lediglich für die Studie interessiert, kann natürlich auch gleich die enthaltenen Links anklicken – etwas, das in der momentanen Diskussion um CO2 usw sowieso ratsam ist.
Um die Studie allgemeinverständlich zu machen haben die Autoren die Vollständigen Kosten für den Energieverbrauch pro Meile im Durchschnitt der Gesamtlebensdauer der Fahrzeuge berechnet – gemessen in Energiepreisen in den USA im Jahre 2005. So ist eine allgemeine Datenbasis für den Vergleich zwischen verschiedenen Automodellen entstanden, die jederzeit auch auf aktuelle Bedingungen umgerechnet werden kann, denn die Basis ist der Verbrauch an Energie.
Entscheidend dabei ist, dass die Autoren diese Werte nicht nur für den Betrieb der Fahrzeuge und auch nicht nur für die Herstellung in den Automobilwerden berrechnet haben, sondern tatsächlich die Gesamtkosten „from dust to dust“ berechneten – also von der Gewinnung der Rohstoffe an, über ihre Weiterverarbeitung in verschiedensten Betrieben über die Betriebskosten der Fahrzeuge, ihren Spritverbrauch, Reparaturen, bis hin zu den Kosten der Entsorgung und dem Energieverbrauch von Arbeitern in der Automobilindustrie für ihren Weg zum Arbeitsplatz.
Und bei der Gewinnung der Rohstoffe und der Gebrauchsdauer spielt der Hummer 3 esine entscheidenden Stärken aus: Seine Haltbarkeit – in der Studie wird eine Lebensauer von gut 200.00 Meilen zugrunde gelegt - und er ist zum größten Teil aus Stahl gemacht. Der Toyota dagegen besteht zu einem Gutteil aus Werkstoffen wie Aluminium, dass unter extrem hohen Energieaufwand gewonnen werden muss. Auch die Batterie, ohne die das Hybrid-Konzept nicht funktionieren kann, verschlingt bei ihrer Herstellung viel Energie durch aufwändige Rohstoffbeschaffung usw.
Dass beim Prius nur eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 100.000 Meilen angenommen wurde, liegt nicht an einer möglicherweise geringen Haltbarkeit des Fahrzeugs. Hier spielt eine Rolle, dass Prius-Fahrer eine recht geringe Strecke pro Jahr fahren, so dass selbst die 100.000 Meilen erst erreicht werden, wenn das Auto schon sehr alt ist. Da dann aber schon neue Modelle und Technologien vorhanden sind, die die alten Modelle bis dahin sehr stark in der Nachfrage sinken lassen dürften, wurde aus verschiedenen Gründen, die ausführlicher hier (2) nachzulesen sind (siehe auch 1, S.46ff).
Somit wird auch deutlich, warum es bis zu dieser anscheinend noch keine Studie gabe, die die Gesamtkosten eines Autos „from dust to dust“ berechnet hat. Die Sache ist kompliziert. (Und sie wird nicht einfacher dadurch, dass Unternehmen ihre Kalkulationsdaten natürlich nicht einfach so hergeben. Das sind Firmengeheimnisse.)
Wie natürlich nicht zu vermeiden, beruht also diese Studie, gerade was den Toyota Prius angeht auf bestimmten Annahmen und bestimmten gegenwärtigen Verhältnissen. Die Autoren weisen in (2) extra darauf hin, dass sich diese Verhältnisse z. B. mit einer intensiveren Nutzung der Hybrid-Fahrzeuge und einer Weiterentwicklung und Weiterverbreitung der Technologie ändern können. Damit würden dann natürlich auch die Ergebnisse andere sein.
Interessant ist übrigens wieder, wie in einigen hiesigen Medienberichten die ganze Sache verkürzt dargestellt wird. So schreiben etwa die MSN-Nachrichten von gestern (22.12.2007) (3), dass „der Autoexperte Art Spinella“ in seiner Studie zu dem Schluss komme, dass die Umweltbilanz des Toyota Prius schlechter sei als beim „Symbol für Dekadenz schlechthin – der Hummer mit mindestens 13 Litern Verbrauch.“ Oops: Es geht hier aber nicht um den Hummer!
Es geht um den kleinsten Hummer, den H3, der nach Spinella Totalkosten pro Meile von 1,949 $ bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 207.000 Meilen verusacht (1, S. 34). Der weit verbreitete H2 liegt mit 3,027 $ bei 197.000 Meilen schon wesenlich höher und wird vom eigentlichen Hummer, dem ursprünglichen Militärfahrzeug H1 mit 3,505 $ bei 379.000 Meilen um satte 75% übertroffen (1, S. 32) .Ist es Zufall, dass diese ‘Ungenauigkeiten’ gerade in einem Artikel unter der Überschrift „Warum die deutschen Autobauer den EU-Plan ablehnen auftauchen, einem Artikel in dem fast ausschließlich die Argumente des VDA, des Verbandes der deutschen Automobilhersteller verwendet werden.
Das hier behauptet wird: „Zudem hat der Prius nach Angaben von Toyota eine Lebenserwartung von lediglich 100.000 Meilen, …“, kann ich nicht nachvollziehen. Hat Toyota das wirklich behauptet? Die 100.000 Meilen stellen in diesem Zusammenhang doch lediglich eine rechnerische und nur temporär gültige Größe aus den o. g. Gründen dar, oder?
Allerdings habe ich noch nicht alle der insgesamt 458 Seiten der Studie gelesen. Aber warum sollte Toyota eine solche Begrenzung der Nutzungsdauer veröffentlichen? Hat da jemand noch weniger gelesen als ich?
Diese Studie überrascht und gibt zu denken! Sie zeigt auch, dass die bisherigen politischen Konzepte mit großer Wahrscheinlichkeit, gemessen an ihren vorgeblichen Zielen, an der Wirklichkeit vorbei gehen - und das interessanterweise auf mehreren Seiten der aktuellen Diskussion. Es ist noch viel Arbeit nötig!
Nebenbei: Die Spitzenreiter im negativen Sinne sind der Maybach mit mehr als 11,5 $ und der Phaeton mit etwa 11,2 $ pro Meile, gefolgt von Rolls Royce und Bentley (1, S. 21). Na, wenigstens das haben wir uns gedacht, oder?


3 Antworten bis hierher ↓
Tobias Stenzel // Dezember 25, 2007 um 2:08 |
Endlich mal jemand, der sich etwas näher damit beschäftigt will…
Ich habe sie auch gelesen und so Einiges an Schwachsinn entdeckt.
Ist dir aufgefallen, dass die den Spritverbrauch an sich nicht berücksichtigt haben?
Dort steht nur was vom Benzintransport und dessen Gewinnung; die im Motor tatsächlich „verbrauchte“ Energie fehlt komplett.
Die niedrigen Zahlen und die Erklärung im Kapitel spricht dafür, z.B. Seite 94:
„Under that scenario, it would require more than $3.70 per gallon in energy to drill,
transport, refine and distribute gasoline.“
Leider, leider ist die Energie in dieser Studie in $ (was soll das?) angegeben, so dass es sowieso keiner nachprüfen kann…
Damit ist die komplette Studie hinfällig, leider bringen die einzelnen Punkte auch nichts, da man mit den „energy costs“ rein gar nichts anfangen kann. Das hätte so interessant sein können…
Ein etwas kurioses Beispiel für diese sogenannten „energy costs“ im Bezug auf die Entsorgung der nicht-rezyklierbaren Teile:
Volkswagen Phaeton $ 1,859,453.79
Rolls-Royce Rolls-Royce $ 2,014,316.81
Scion xB $ 37,076.78
Warum sollte die endgültige Entsorgung von Phaeton-Teilen(Deponie, Müllverbrennung) fast fünfzig Mal so viel Energie wie bei einem kleinen Scion verbrauchen? Ich weiß nicht, wie man es ohne Quellenangaben bewerten soll, aber das klingt schon etwas dämlich.
Es ist auch Unsinn, dass der Prius aus Leichtmetall besteht. Das ist eine normale Stahlkarosserie, nur die Heckklappe und die Motorhaube sind aus Aluminium.
Dazu kommt noch, dass sich Alu recht gut recyceln lässt; dadurch ließe sich eine schlechte Bilanz nicht erklären.
Ich habe mal die Batterie des Prius nachgerechnet; je nach Quelle für die Herstellung einer NiMH-Batterie verbraucht der Vorgang etwa die Energie von 150-200 Litern Benzin. Gigantische Energiemengen sind das auch nicht, zumal man die Bestandteile der Batterie (v.a. das Nickel) einfach wiederverwenden kann und das bei dieser Zahl gar noch berücksichtigt wurde.
home42 // Dezember 26, 2007 um 4:52 |
Danke für Deinen Kommentar! Ganz so weit bin ich noch nicht vorgedrungen, werde ich wohl noch tun.
Ob die Energiemenge in USD oder Kilojoule angegeben wird, finde ich nicht so entscheidend, da sich das in einander umrechnen ließe. Die Rahmenbedingungen (Energiepreise von 2005, Rohölpreis von 80$) sind ja angegeben. Die tatsächliche Energiemenge hätte ich aber auch besser gefunden.
Aluminium kann zwar problemlos recycled werden, sowohl die Gewinnung als auch das Recyclen braucht aber extrem viel Energie.
Bis jetzt habe ich in der Studie noch nicht so viele Schwachpunkte gefunden (Danke für die Hinweise). Skandalös finde ich, wie teilweise mit der Studie umgegangen wird, wie verfälscht sie dargestellt wird. In den Medien bleibt dann nur noch „Hummer ist umweltfreundlicher als Hybrid-Auto“ übrig – was so eben nicht stimmt.
Toyota startet Initiative zur "Umweltverträglichen Mobilität" : Toyota News // August 22, 2008 um 1:15 |
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