Das Leben usw.

Von Ubuntu zu Debian Etch – Stand nach einigen Wochen

Oktober 14, 2007 · 7 Comments

(IBM ThinkPad R51)

Okay, bei Debian ist tatsächlich noch etwas mehr Handarbeit nötig:

Scannen:
Als ich heute zum ersten mal seit dem Umstieg wieder scannen wollte, lief gar nichts. Xsane schien sich aufzuhängen und meldete nach wirklich geraumer Zeit, dass keine Verbindung zu irgendwelchen Geräten herzustellen sei. War Sane nicht installiert?
Für Nicht-Linuxer: Sane (Scanner Access Now Easy) ist sozusagen das Linux-Pendent zu Twain (Tool Without Any Important Name). So war es.
Dank Synaptic-Paketverwaltung war das binnen 2 Minuten behoben. Anschließend musste ich mit meinen normalen User-Namen noch in die Benutzergruppe „Scanner“ eintragen, sonst würde es wieder „keine Geräte erreichbar“ heißen. Danach aber funktionierte alles.
Es empfiehlt sich übrigens für manche Scanner zusätzlich zu libsane das Paket libsane-extras zu installieren. Hier waren z.B. für meinen Epson Perfection 2400 Photo die benötigten Epkowa-Treiber enthalten. Für RPM-basierte Distributionen bietet Epkowa bzw. Epson unter www.avasys.jp eine ganze Reihe von Treibern für den Betrieb von Scannern und Druckern unter Linux an. Leute die kein Japanisch können, sollten dass aber lieber noch mal ausgooglen. Mein ursprünglicher Link war älter und avasys hat die Seite inzwischen etwas verändert. Mein Sane-Treiber funktioniert jedenfalls tadellos und ist unter xsane (dem grafischen Frontend von sane) einfach und unkompliziert zu bedienen. So bleibt mir der Japanisch-Kurs erspart. Der komerzielle Treiber unter Windows ist übrigens wesentlich unübersichtlicher und umständlicher.

MP3-Dateien kodieren/als Audio brennen:

Das Paket lame musste noch installiert werden. Danach ging es! (Ich liebe k3b!) Es empfiehlt sich, in der Datei etc/apt/sources.list das Repository http://www debian-multimedia.org etch main einzutragen. Achtung: Danach in synaptic erst einmal die Paketquellen neu einlesen lassen, sonst gibt es (harmlose) Fehlermeldungen und der PC weiß nichts von dem neuen Repository. Dann Herunterladen und Installieren von lame. Dabei wurde ich erst einmal gewarnt, dass das Paket nicht authentifiziert sei, was bösen Leuten eventuell den Zugriff auf meinen PC ermögliche. Nun, ich habe mich zwar mit den Feinheiten von synaptic, Prüfsummen und Zertifikaten oder was auch immer, nicht beschäftigt, aber ich vertraue mal den Debian-Repositories. Debian nimmt es mit der Sicherheit sehr genau. Kubuntu hat mich wegen so was nie gewarnt.

Analog-Modem:

Ein Modem kann unterwegs manchmal nützlich sein. Schließlich braucht man lediglich eine Telefonsteckdose und das entsprechende Kabel. Unter Kubuntu hatte ich das alles schon eingerichtet. Unter Debian lief es zunächst nicht: ppp war installiert, kppp war installiert, pppconfig nicht. Natürlich (unter anderen Distris auch) musste ich für das in die Denkmatte eingebaute Windows-Modem auch noch einen Smartlink-Treiber installieren – kein Problem, gibt es ebenfalls auf den Debian-Repositories.
Leider wieder das gleiche Spiel wie beim Scanner: Das Internet-Einwahl-Programm kppp startet nicht. Hier sind zwei kleine Aktionen nötig: Erstens muss der Benutzer in die Gruppen „dialout“ und „dip“ eingetragen werden (mit KUser). Zweitens muss in der Datei /etc/ppp/peers/kppp-options das # vor dem Eintrag noauth weggenommen werden (das ist leicht, es gibt nur diesen Eintrag. Siehe auch hier auf Debianforum.de. Ich mache letzeres mit kate. Einfach Alt+F2 drücken und dann kdesu kate /etc/ppp/peers/kppp-options, # weg, speichern, gut.
Test: Yippeeh. Es ist kaum zu glauben, sogar die alten Einstellungen von Kubuntu bezüglich der Provider hat er übernommen. Was will man mehr.

WLan:
Das habe ich leider immer noch nicht ausprobiert, weil ich mich aus meinem WLan-Modem ausgesperrt habe. Passwort weiß ich noch(glaube ich), aber den Benutzernamen habe ich trotteligerweise vergessen. Hier kann ich nur auf das WLan-How-To verweisen (engl.).

Powermanagement/Suspend:
Mit eingesteckten USB-Geräten )(nicht nur mit Drucker) läuft der Suspend übrigens immer noch nicht. Macht aber nichts, da ich erstens den Suspend nur unterwegs zwischendurch mal brauche und sollte Anderes der Fall sein, werde ich einfach das USB-Kabel so lange abziehen. (Hätte aber auch nichts gegen einen Tipp, wie das Problemchen zu lösen wäre.)

So, nun dürfte eigentlich nichts mehr fehlen, oder?

Mein Fazit nach der ganzen Aktion: Sicherlich war es etwas mehr Arbeit mit Debian Etch als mit Kubuntu, zumindest, was die hier beschreibenen Punkte angeht. Für Multimedia-Pakete muss man unter Kubuntu aber auch erst mal Automatix einspielen usw. Mein Eindruck ist aber immer noch, dass Debian runder läuft und insgesamt stabiler und integrierter wirkt. In so fern kann ich auch der Keynote des Ubuntu-Begründers Marc Shuttleworth zur KDE-Konferenz in Glasgow nicht zustimmen. (1) Er forderte feste Release-Zyklen für KDE. Mir gefällt die Debian Philosophie bei der Softwareentwicklung da besser: Es ist eben dann fertig, wenn es fertig ist!

____________________________

(1) Vgl. Linux-User 09/2007, S. 27

Categories: Computer · Linux · Netz · Technik

7 responses so far ↓

  • oldman // Oktober 14, 2007 at 4:56

    Wenn ich doch mal auf Debian zugreife (bisher nutze ich ubuntu und Slackware), dann kommen sicher ein paar Fragen an Dich :-)

  • Neue ubuntu-Linux Version 7.10 Kurztest in fr-online : zeitsturz // Oktober 18, 2007 at 7:12

    [...] in fr-online nicht erfahren hat. Ab und an ist eine manuelle Nachpflege erforderlich, wie sie home42 zu einem Debian-Linux System beschreibt, aber dazu findet man immer Unterstützung in den entsprechenden Foren oder im Netz. [...]

  • Roland // Januar 3, 2008 at 1:27

    Hi!

    Bin auf Dein BLOG gestoßen, weil ich mich grad mit dem Gedanken trage, von Kubuntu zu Debian zu wechseln. Alle beschriebenen Probleme scheinen mir nicht gravierend. Wäre noch die Frage nach der Eindeutschung. Mich stört z.B. unter Kubuntu, daß immer wieder noch englische Reste in den Programmen auftauchen. Immer z.B. wenn ich den Sudo-Befehl eingeben muß. Wie ist das denn bei Debian?

  • home42 // Januar 4, 2008 at 8:42

    Die Eindeutschung ist ok. Reste von Englisch sind eher selten, existieren aber noch. Um unter KDE mal schnell ein Programm als Root zu starten kann man “kdesu ” eingeben oder den Benutzer einfach wechseln, d. h. eine Sitzung als Root starten.
    Die Programme sind halt nicht so aktuell, wie unter Kubuntu. Ich überlege, ob ich deshalb von Debian Etch (derzeit ’stable’ ;) Debian Lenny (derzeit noch ‘testing’ ;) umsteige. Dort wird dann wahrscheinlich die Eindeutschung noch nicht so weit gediehen sein, weil sich ja noch etwas ändern kann.

  • Klaus // Mai 6, 2008 at 10:52

    Wie bist Du umgestiegen? Platte neu formatiert, System aufgesetzt und Daten eingespielt? Oder hast Du Dein home-Verzeichnis einfach lassen können?

  • home42 // Mai 8, 2008 at 7:42

    Schon unter Kubuntu hatte ich eine eigenen home-Partition eingerichtet. So konnte ich die anderen Partitionen formatieren lassen (außer eben /home und den noch existierenden Windows-Partitionen). Die /home-Partition wurde mit dem in ihr enthaltenen /home-Verzeichnis einfach von Debian Etch übernommen und sogar die meisten Konfigurationsdaten von KDE und Programmen (liegen in /home/username/.kde/ und anderen versteckten Verzeichnissen und Dateien) wurden übernommen. So fiel der Konfigurationsaufwand sehr gering aus. Systemkonfigurationen, die in /etc lagen gingen natürlich verloren.
    Das Ganze funktioniert, weil Kubuntu und Debian die gleiche User-ID (500) vergeben. Wolff hat das auch schon mit anderen Distributionen (ich glaube Fedora) praktiziert und musste dann eben vorher die User-ID ändern, damit es passt.

  • home42 // Mai 8, 2008 at 7:49

    Leider funktioniert der Link zu Wolff nicht, deshalb hier einfach die Adresse: http://www.wolffvonrechenberg.de

Leave a Comment