Vielleicht, aber nur vielleicht wird es Eva Herman ja jetzt klar, dass mit ihren Äußerungen zur Familienpolitik im Dritten Reich und mit ihren neuerlichen Bemerkungen zu Hitlers Autobahnen etwas nicht stimmt. Denn die rechtsradikale Partei DVU will Solidaritätskundgebungen für Eva Eerman organisieren und ‘für Meinungsfreiheit’ plädieren.
Doch auch mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Nazi-Regimes gibt es einen Unterschied zwischen Meinungsfreiheit und Verharmlosung der menschenverachtenden nationalsozialistischen Ideologie. Und dieses ist es, was Eva Herman eigentlich tut. Zu den Autobahnen will ich mich hier gar nicht äußern, hierzug empfehle ich Toms Blog Senfdazu. Aber vielleicht ist es gut, noch einmal kurz die Rolle der Frau im Dritten Reich, wie sie von den Nazis gewünscht war, zu umreißen:
Die Nazis betrieben keine ‘Familienpolitik’ sondern versuchten sich in der ZUCHT von Menschen. Das Ziel war, Juden auszurotten, auch mit den Mittlen der Bevölkerungspolitik. Deshalb wurden unliebsame Frauen sogar zwangssterilisiert, während so genannte „arische“ Frauen mit allen möglichen propagandistischen Mitteln dazu gebracht werden sollten, Kinder zu bekommen. Die Frau im Dritten Reich wurde von den Nazis also bestenfalls Haushaltshilfe und Gebährmaschine angesehen, die dafür sorgen sollte, möglichst viele künftige Soldaten in die Welt zu setzen, damit mit dem nationalsozialistischen Terror noch weitere Teile der Welt überzogen werden könnten. Andere Frauen, die als „nicht-arisch“ galten (also vor allem Jüdinnen, aber auch seelisch Kranke Behinderte, politisch Andersgesinnte usw.) wurden zu Abreibungen gedrängt/gezwungen, viele, wie oben schon gesagt, zwangsweise sterilisiert. Kinder wurden selektiert, in die so genannten Lebensborn-Heime verschleppt.
Was Eva Herman unter nationalsozialistischer ‘Familienpolitik’ versteht, war tatsächlich nur ein kleiner Teil dessen, was die Nazis „Rassenhygiene“ nannten und das letztlich zur Vernichtung von Millionen Menschen führte und zwar beabsichtigt! Es war ein Teil, der untrennbar mit dem Ganzen verbunden war. Aus der Nazi-Ideologie also nur einen kleinsten Teil heraus zu pflücken und als vorbildlich hinzustellen IST damit eine Verharmlosung dieser Mörder-Ideologie, ist eine Verhöhnung von Millionen von Schicksalen – und wenn nicht Vorsatz, dann aus Dummheit.
Sich dann noch auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit zu berufen, ist eine Steilvorlage für Neonazis und deren Sympathisanten, wie ja heute zu lesen ist. Denn diese Leute wollen dieses Grundrecht missbrauchen, um die Verbrechen der Nazis öffentlich leugnen zu dürfen, durch Verharmlosung eben die genannte menschenverachtende Ideologie wieder gesellschaftsfähig zu machen. Wir müssen uns darüber klar sein, dass das aus den oben genannten Gründen ein eklatanter Verstoß gegen das oberste Grundrecht in unserer Verfassung ist, den Schutz der Würde des Menschen.
Und: Verletzt es nicht auch die Würde der von den Nazis als „arisch“ bezeichneten, mit Mutterkreuzen und Ähnlichem überhäuften Frauen, als Gebährmaschine gesehen und für rassistische Zwecke missbraucht worden zu sein? Ich wünsche Frau Ferman, dass sie begreifen kann, dass bei diesem Thema das Eine nicht vom Anderen getrennt gesehen werden kann und dass die von ihr ausgelöste Empörung mit einem Angriff auf die Meinungsfreiheit nichts zu tun hat.
Hier der leider im Kommentar nicht funktionierende Link zum Artikel „Die Geschichte darf nicht ruhen – auf gar keinen Fall“.


8 Antworten bis hierher ↓
silverblick // Oktober 11, 2007 um 5:07 |
Mir ist immer wieder schleierhaft, wie sonst eigentlich intelligente Menschen (Eva Herman müsste doch intelligent sein?) so ein Brett vorm Kopf haben können..
Ich kann mir allerdings schon vorstellen, dass sie weiß was sie da sagt, ihr Frauenbild ist ja tatsächlich mehr als antiquiert. Möglicherweise ist sie einfach ein Nazi, anders kann ich mir ihre Aussprüche nicht erklären.
Tom // Oktober 12, 2007 um 3:11 |
Mir ist schleierhaft, wie man irgendwelche Machenschaften, Aussagen oder Geschehnisse aus der Nazizeit herbeizitiert, um Verbesserungen in der heutigen Zeit zu erreichen. „Es war nicht alles schlecht“ zieht schon lange nicht mehr, wenn man die Ideologie und die Toten aus dieser Zeit zugrunde legt.
willow // Oktober 12, 2007 um 9:05 |
„Möglicherweise ist sie einfach ein Nazi, anders kann ich mir ihre Aussprüche nicht erklären.“
Nun, Ausgangspunkt der ganzen Debatte war ihre Aussage:
“wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauffolgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde.”
Sie hat also nicht die NS-Zeit verherrlicht sondern darauf hingewiesen, daß sowohl die Nazis als auch die 68er-Bewegung „die Familie“ und insbesondere auch die „Mutterschaft“ instrumentalisierten.
Sicher, auch ich finde Blondies Frauenbild recht antiquiert, aber ihr Familienbild ist weiter von den Nazis weg, als die nationalsozialistische Kindererziehung von der kommunistischen/sozialistischen…
home42 // Oktober 12, 2007 um 1:27 |
Da ich noch einige Gedanken zu diesem Thema hatte, sie aber zu lang für einen neuen Kommentar fand, habe ich noch einen weiteren Beitrag gepostet. Die Geschichte darf nicht ruhen – auf gar keinen Fall.
home42 // Oktober 13, 2007 um 1:19 |
Leider funktioniert der obige Link nicht (keine Ahnung, warum), deshalb habe ich ihn jetzt in den Post gesetzt. (s. o.)
home42 // Oktober 13, 2007 um 1:24 |
Nun geht er doch – auch gut!
Initiative // Oktober 17, 2007 um 6:53 |
http://www.evaherman.net/
http://evahermanfanclub.foren-city.de
home42 // Oktober 18, 2007 um 2:03 |
Interessanter Artikel der Netzzeitung: Haltung der Deutschen zu Hitler „Warnzeichen“